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Verein für deutsch-französische Studienbeziehungen
  Suchen Nanterre * Paris - ja oder nein? * Zu schwer?
Ist es zu schwer?

Definitiv kann ich darauf noch keine Antwort geben, da wir unsere Prüfungsergebnisse für das erste Semester erst Ende März erhalten werden. Was die Vorlesungen angeht, so solltet ihr als Maßstab die französischen Vorlesungen in Potsdam nehmen: wenn ihr diese gut versteht, dann wird es für euch in Nanterre eher leichter als schwieriger, auf jeden Fall aber machbar werden. Die Vorlesungen dort sind nämlich im Großen und Ganzen ein schnelles Diktat, dessen Verständnis durch die im Vergleich zu Potsdam bessere Akustik in den Riesenhörsälen (angelegt für 1000 Personen) gefördert wird. Selbst die Gesetzestexte werden zumeist diktiert... Es hat nur wenige Tage bzw. Wochen gedauert, bis die Deutschen dazu in der Lage waren, ebenso wie die Franzosen in ganzen Sätzen mitzuschreiben.

Mit dem in Potsdam erlangten Wissen im französischen Recht habt ihr die nötige, aber auch hinreichende Basis, um mitzukommen. Ich habe einige Leute aus anderen deutsch-französischen Jura-Studiengängen kennen gelernt und kann deshalb bestätigen, dass niemand so gut vorbereitet ist wie wir.

Schwierig ist jedoch die französische Methodik, weil sie für uns so ungewohnt ist. Man hat hier manchmal den Eindruck, dass man am besten fährt, wenn man etwas abgibt, dass diametral entgegengesetzt zu dem ist, was man in Deutschland anfertigen würde. In Frankreich herrscht in dissertations und commentaires d’arrêts (Kommentar einer Gerichtsentscheidung) ein absoluter Strukturzwang, den man auch als Strukturwahnbezeichnen kann. Am Anfang allen Schreibens steht der „plan“, bestehend aus zwei Partien, in jeweils zwei Unterabschnitte (z. T. ebenfalls untergliedert) gegliedert: mehr oder weniger blumiges Ausweiten der Gedankengänge, um der französischen Manie der gleich langen Absätze zu genügen, verzweifelte Suche nach intelligenten, aussagekräftigen Titeln und der perfekten Einleitung, da der Korrektor meist nur diese liest...
Dagegen kann man in der Fallbearbeitung mehr oder weniger strukturlos aus dem juristischen Nähkästchen plaudern, indem man erst die Situation mit eigenen Worten wiedergibt und dann Problem nach Problem abhakt.
Es hat sich bewährt, die TD-Leiter auf unsere Misere aufmerksam zu machen (von allein passiert da nichts) und auch sonst auf jeder Abgabe das Zauberwort „non francophone“ zu vermerken – meist ist mit Rücksichtnahme zu rechnen. Manchmal wird dann auf die Form bei ausländischen Studenten weniger geachtet oder sie geben sich mehr Mühe, lesen die Arbeit gründlicher etc. oder sie gewähren eine zweite Chance, wenn eine abgegebene Arbeit nicht so gut geworden ist.

Ich muss rückblickend sagen, dass man relativ schnell anfängt, das System – ob man es nun gut findet oder nicht – oberflächlich zu verstehen, was dann meist schon genügt, um die „moyenne“ zu erreichen. Wir haben eigentlich nach anfänglichen Schwierigkeiten zum großen Teil passable bis sehr gute Noten in unseren abgegebenen Arbeiten erreicht. Der anfängliche Schock stand jedenfalls in keinem Verhältnis zu den Ergebnissen. Einige Professoren haben gerade von den Potsdamer Studenten eine gute Meinung, was in einer mündlichen Prüfung nützlich sein kann.

Mir hat es trotzdem geholfen, ein Methodikbüchlein zu haben. Uns wurde damals folgendes kleines Buch empfohlen, das ich gern weiterempfehlen möchte (es ist aber auch in den meisten Bibliotheken zu haben): Defrénois-Souleau, Isabelle, Je veux réussir mon droit. Méthodes de travail et clés du succès, Paris, Armand Colin, 5. Auflage 2004, ca. 15 €.