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Verein für deutsch-französische Studienbeziehungen
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Travaux dirigés

Die TD-Fächer sind die Fächer, für die man während des Semesters am meisten (bzw. fast ausschließlich) arbeitet. Die Auswahl in der licence générale ist relativ groß, so konnte man in diesem Jahr z.B. auch Histoire des idées politiques als TD wählen. Ich würde sagen, dass es deshalb wichtig ist, dass einem der Kurs liegt, auch wenn man natürlich taktisch wählen kann.

Jedes TD findet einmal wöchentlich anderthalb Stunden statt. Es handelt sich um Kurse mit zwischen 20 und 35 Personen, die von einem wissenschaftlichen Mitarbeiter geleitet werden. Jede Einheit hat ein spezielles, an der Vorlesung orientiertes Thema, das vertieft behandelt wird. Das Thema ergibt sich aus der fiche de TD, die vorher ausgegeben wird. Dazu werden Texte (Entscheidungen, Lehrbuch- und Aufsatzauszüge etc.) abgedruckt und Aufsätze vorgeschlagen. Erstere müssen in jedem Falle gelesen werden, letztere sind meist fakultativ. Gute Vorbereitung ist sehr wichtig, da hier die mündliche Mitarbeit zählt.

Die TD-Leiter und Lehrstühle, die die TD-Papiere erarbeitet haben, legen auch die prozentuale Verteilung fest, die danach variiert, was während des Semesters abzuliefern ist. In zivilrechtlichen Fächern ist häufig ein erstes partiel vor den Ferien abzulegen, in öffentlich-rechtlichen Fächern ist dafür über die Ferien eine dissertation, ein cas pratique oder ein commentaire d’arrêt anzufertigen, der etwa 20% zählt.

In die mündliche Note (10-20%) fließen auch ein evtl. gefordertes (Gruppen- oder Einzel-) Referat oder eine séance d’actualité von 5 min ein. Vorteilhaft ist hier, dass wir im Gegensatz zu den Franzosen schon seit Schulzeiten ziemlich gut an Vorträge und mündliches Arbeiten gewöhnt sind und sich das sprachliche Defizit eigentlich überhaupt nicht auswirkt. Die Anforderung der mündlichen Mitarbeit wirkt klar zu unseren Gunsten.

Je nach Anzahl der während des Semesters sonst noch abzugebender Arbeiten (jeweils etwa 10%) steigt oder sinkt die Prozentzahl des partiels (etwa zwischen 40-60%), was sehr angenehm sein kann, da man seine Note vorher schon gut berechnen kann und der Druck für das partiel sinkt. Außerdem sind es einfach die Fächer, in denen man sich nach der Arbeit während des Semesters am besten auskennt. Wenn man sich kontinuierlich und möglichst strukturiert auf die TDs vorbereitet und diesen Stoff primär lernt (und natürlich auch den Stoff der Vorlesung auch), dann genügt für die partiels meist, wenn man sich diese Dinge noch einmal in Erinnerung ruft.

Uns wurde am Anfang Droit commercial ans Herz gelegt, da dort viele Fälle zu bearbeiten sind und die Logik eher dem deutschen Recht entspricht. Ich kann aber nur empfehlen, nach euren Vorlieben zu wählen, da die Professoren nach ihrer Vorlieben entscheiden, welche Prüfungsthemen sie euch geben. Unser Professor im Völkerrecht ist z.B. (ungewöhnlicherweise) ein Verfechter von Falllösungen gewesen, sodass wir im partiel die Wahl zwischen Fall und dissertation hatten (wobei der Fall leider sehr schlecht ausfiel), während derjenige im Droit commercial eine besondere Liebe zu commentaires d’arrêt hatte und deshalb zwei Gerichtsentscheidungen zur Wahl gestellt hat.

Dies könnt ihr vorher aber nicht wissen, also verlasst euch auch nicht darauf. Gleiches gilt auch für die Benutzung der Gesetzbücher, die von manchen Professoren gestattet wird, von anderen aber nicht. Davor muss man aber keine Angst haben, da auch die Themen daran ausgerichtet werden. Zentrale Artikel werden manchmal auf den Aufgabenzetteln abgedruckt.

Die Themenart wird in der Vorlesung bekannt gegeben, sodass ihr nicht überrascht werdet. Partiels sind immer schriftlich. Die unterschiedlichen Formen lernt ihr vorher zweifelsohne in den TDs kennen (die ja auch der Präferenz des Professors folgen), sodass ihr wisst, was verlangt wird. Es empfiehlt sich hier wiederum, in der Prüfung das Thema und nicht den Modus zu wählen, was allerdings leichter gesagt als getan ist, da man für eine dissertation einfach anders lernt als für einen Fall. Es ist jedoch zu beachten, dass hier Fälle oft noch stärker nach Schema F, d.h. der Lösungsskizze des Professors (barême), bewertet werden, was zu sehr schlechten Noten führen kann, wenn man davon abweicht. Das war uns vorher nicht so klar, da es ja in den TDs selbst so gut gelaufen war. Diese Erfahrung musste jedoch ein Teil von uns leider in einem partiel machen. Vorsicht ist also geboten – schaut euch den Fall genau an.